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CARVEL’ – FEHLENTSCHEIDUNGEN UND VERRAT

Alles begann doch eigentlich gar nicht so schlecht für das Basler Quartett CARVEL’.

2015 konnte die Debut-EP – kreativerweise «Eins» genannt – mit «What’s it all About» schon einen ordentlichen Gassenhauer vorweisen und auch die restlichen Songs waren zugänglich – bisweilen gar mitreissend. Gefühlte 33 Bandcontests wurden gewonnen. Publikum und Experten schienen dem Charme der Basler zu erliegen. So titelte «20 Minuten» euphorisch: «CARVEL’: zu gross für die Schweiz». Immer mehr wollten immer mehr von CARVEL’ hören.

Doch dann folgte eine Reihe von fragwürdigen Entscheidungen. Die vier frischgebackenen Rockstars hätten dem Erfolgsprinzip ihres Erstlings treu bleiben und sich fortan den Groupies und dem Kokain hingeben können.  Stattdessen bildeten sie sich ein, neue Ideen haben zu müssen und jeden erstklassigen Produzenten, den sie finden konnten, mit ihrem Trauerspiel belästigen zu dürfen. Einer von ihnen soll bereits mit Dilettanten wie Nick Cave oder Depeche Mode herumgepfuscht haben. Öffentlich behauptete CARVEL’ dann schamlos, bei diesen Aufnahmen sogar noch was gelernt zu haben. Das Ergebnis war abzusehen: Die 2017 veröffentlichte zweite EP «Polarity» triefte vor neumodischen Soundeffekten, angeblich cleveren Songstrukturen und vermischte rücksichtlos Einflüsse aus dutzenden Genres und mehreren Jahrzehnten. Diese Vermischung war nicht zuletzt ein Verrat an der Musikpresse, die CARVEL’ nun gar nicht mehr in eine Schubblade stecken konnte. Zusätzlich perfid für den Hörer: Hinter den schönen Melodien lauerten neu meist anstrengende, wichtige Themen. Nicht überraschend erhielt die Band dafür sogar noch Lob von der abgehobenen Fachpresse, die den Eiertanz auf «Polarity» mit dem Sound, der grossen Weltstars verglich.

Hätte ich gewusst, wie progressiv diese Band im Kern eigentlich ist – ich hätte mich nie mit ihr auseinandergesetzt. Ich will gar nicht wissen, was die neunmalklugen Basler als nächstes vorhaben. Hab gehört, die wollen jetzt 3 Singles anstelle eines ganzen Albums veröffentlichen. Nur noch die guten Lieder veröffentlichen – wie bescheuert ist das denn?

Früher war alles besser, da hätt’s sowas wie CARVEL’ nicht gegeben.


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